Warum gibt es Bildungsprobleme und mangelnde Unterstützung in Brasilien?
Kinder mit Lernschwierigkeiten oder familiären Problemen haben es schwer, in der Schule erfolgreich zu sein. Selbst hochintelligente Kinder, die sich im Unterricht langweilen, können ein Fach negativ abschließen. In Brasilien bedeutet das, dass sie die ganze Schulstufe wiederholen müssen. So ist die Rate der Wiederholungen und der Schulabbrecher in Brasilien leider überdurchschnittlich hoch.
Ein Beispiel: Mariana ist eine blitzgescheite 10-Jährige. Ihre Mutter und die ältere Schwester haben eine leichte Lernbehinderung. Die jüngere Schwester Cristina nicht. Mariana übernimmt viel Verantwortung für Cristina, und auch manchmal für die Mama und die ältere Schwester. In der Schule ist das ein Hindernis: Sie fehlt oft, sie wird ausgelacht und zieht sich zurück.
In der Fundacao entfaltet sich Mariana schnell: Hier darf sie etwas Kind-Sein nachholen. Und sie erlebt, dass sie beim Lesen und Schreiben rasch Fortschritte macht. Hier ist sie beliebt und durfte beim Sommerfest eine Hauptrolle spielen.
Das Schulsystem in Brasilien
Das brasilianische Schulsystem besteht aus einer neunjährigen Grundschule und einer drei- bis vierjährigen Sekundarschule. Ab dem dritten Schuljahr müssen Schülerinnen und Schüler, die ein Fach negativ abschließen, die Klasse wiederholen, was zu einer hohen Wiederholungsrate führt.
Materielle Armut verstärkt diese Schwierigkeiten, da Eltern oft selbst kaum Schulausbildung abgeschlossen haben und ihre Kinder nicht unterstützen können.
Menschen mit Behinderungen in Brasilien
Menschen mit Behinderungen werden meist in der Familie betreut, da therapeutische Angebote und staatliche Unterstützung in ländlichen Gebieten fehlen. Noch immer verbergen Familien ihr Kind mit Behinderung aus Scham.
Es fehlt das Wissen über Diagnosen, über Fördermöglichkeiten und der Zugang dazu. Selbst nach einem Unfall ist es schwer, gezielte Therapien zu bekommen.
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Ein Beispiel: Der Vater von Benedict ist Bauer und verdient als Sänger bei den Festen in der Umgebung etwas dazu. Benedict wird in der Fundacao betreut, weil er nicht spricht und in der Schule kaum mitmacht. So besucht mit seinen 10 Jahren noch immer die zweite Schulstufe. Nach einem Jahr in der Fundacao verbessern sich die Noten von Benedict. Er wird fröhlicher und schafft den Schulabschluss. Bei der Weihnachtsfeier dürfen die Schülerinnen und Schüler auch ans Mikrofon treten. Für alle überraschend nimmt sich Benedict das Mikro und singt ein Lied. „Du hättest eine Stecknadel fallen gehört, so still war es.“, informierte mich Kaio. Und der Vater teilte den Anwesenden mit Tränen mit: „Heute habe ich zum ersten Mal die Stimme meines Sohnes gehört.“