Österreich – Brasilien waren schon frühzeitig verbunden

Beziehungen sind im politischen Zusammenleben sehr wichtig und oft forcierte man diese Beziehungen durch Kriege. Wer gewonnen hat, ist im Recht.

Während Männer erbberechtigt waren und in der Gesellschaft hohe Positionen einnehmen konnten, waren Töchter für dynastische Verbindungen wichtig – sie konnte man verheiraten und so war man rasch mit der ganzen Welt verwandt. Die Habsburger betreffend gab es den Ausspruch des Matthias Corvinus: „Mögen andere Kriege führen, Du, glückliches Österreich, heirate“.

So verhält es sich auch mit dem Schicksal von Leopoldine von Österreich.

Maria Leopoldine of Austria Brasilia1

Jean-Baptiste Debret [Public domain], via Wikimedia Commons
Das waren in aller Regel keine Hochzeiten aus Liebe, sondern sie gehorchten der Vernunft und vor allem der Staatsraison. Leopoldines Schwester, Maria Ludovica, wurde beispielsweise mit Napoleon verheiratet, weil dieser sich aus dynastischen Gründen einen Sohn von einer Kaiserstochter wünschte. Sie brachte den einzigen Sohn von Napoleon, den Herzog von Reichstadt, zu Welt. Dieser starb jedoch in jungen Jahren in Wien, als Napoleon bereits auf St. Helena verbannt worden war..Die berühmte Erzherzogin Maria Theresia, die Großmutter von Kaiser Franz II(I), dem Vater von Leopoldine, zum Beispiel hatte 16 Kinder, die sie größtenteils während ihrer Regierungszeit zur Welt gebracht hatte. Sie allerdings hat aus Liebe heiraten können. Leopoldines Vater Franz II (I)  hatte 13 Kinder mit vier Ehefrauen. Nicht alle Kinder haben das Kindesalter überlebt.Durch die Vermittlungen und Verhandlungen von Staatskanzler Metternich  wurde Leopoldine dem portugiesischen Thronfolger, der mit seinem Vater Joao VI. in Brasilien residierte, versprochen.

Im Jahre 1817 fuhr die 20 Jahre alte Habsburgerprinzessin Leopoldine ( 1797-1826 ), mit dem portugiesischen Schiff „Dom Jao IV“ von Livorno, begleitet von einer großen Entourage und vielen Wissenschaftlern nach Brasilien, um dort den portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro I zu heiraten. Sie reiste über Land bis Livorno und am 15. August stach sie in See. Eine sehr lange Reise, die einen Abschied für immer von der Familie und Wien bedeutete. Ihre glanzvolle Ankunft in Rio de Janeiro erfolgte am 5. November. Hier traf sie zum ersten Mal mit ihrem künftigen Gemahl zusammen.

Leopoldine hatte großen Einfluss, dass es das Land Brasilien in seinen jetzigen Ausmaßen gibt. Der aus Portugal stammende Dom Pedro, ihr Gemahl, wollte gemeinsam mit seinem Vater 1820 zusammen mit dem Hofstaat nach Portugal zurückkehren. Aber es ergab sich anders: Er blieb als Stellvertreter seines Vaters in Brasilien, die Trennung Brasiliens von Portugal erfolgte 1822 durch einen einstimmigen Beschluss des Staatsrates unter dem Vorsitz von Leopoldine – mit ihrer freudigen Zustimmung – und war die Geburtsstunde Brasiliens. Im selben Jahr wurde Dom Pedro zum Kaiser von Brasilien gekrönt.

Leopoldine ist heute noch verhältnismäßig bekannt in Brasilien, auch weil sie sich sehr für die Fauna und Flora ihres neuen Heimatlandes interessiert hat und viele Forschungsreisen in diesem großen Land unternommen hat. Als ihr Mann 1822 im Alter von 24 Jahren zum Kaiser von Brasilien gekrönt wurde, wurde sie endgültig die gefeierte „nossa mãe“ (unsere Mutter) des brasilianischen Volkes. Bis heute wird ihr Namenstag, der mit dem Nationalfeiertag am 15. November zusammenfällt, gefeiert.

Hanna Tiechl, stellvertretende Obfrau des Vereins Kinderhilfe Brasilien

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