Brasilien in der Küche

Geburtstagskuchen – Torta de Aniversário

150g dunkle Schokolade
150g Butter
6 Eier
150g Zucker
1 Prise Salz
1 Messerspitze Backpulver
150g Mehl
Marmelade (ursprünglich Marille, geht aber mit allem anderen auch)
Schokolade für die Glasur
Schokolade in eine Schale mit heißem Wasser schmelzen lassen. Alle Zutaten abmessen. P1050985
Eier trennen. Eiweiß steif schlagen. Eigelb mit Zucker und Butter mischen und schaumig schlagen. P1050990
In die Eigelbmasse gesiebtes Mehl, Salz und Backpulver unterheben. P1050999
Am Ende den Eischnee vorsichtig unterheben. P1060015
Den Teig in eine Form geben und bei mittlerer Hitze etwa 40 Minuten backen. P1060022
Den ausgekühlten Kuchen in zwei Hälften schneiden und mit Marmelade beschmieren. P1060026
Die restliche Schokolade schmelzen und als Glasur auf den Kuchen streichen P1060031

Was ist eigentlich Tapioka?

Tapioka ist der Name einer Stärke, die aus Maniok gewonnen wird. Also von Anfang an:

Manihot oder Maniok ist eine Pflanze, die in Büscheln wächst. Sie gehört zu den Wolfsmilchgewächsen, ist also auch mit unserem Weihnachtsstern verwandt. Die Pflanze war ursprünglich nur in Brasilien und Paraguay heimisch, wurde aber als Folge der Kolonialisation auf auch in Asien heimisch.

Auch die Maniokknolle wird viel verwendet. In Brasilien nennt man sie einfach nur Maniok. Da in manchen Maniokarten Blausäure enthalten ist, die aber nicht hitzeresistent ist, wird Maniok vor der Weiterverarbeitung oft erhitzt. Von Maniok unterscheidet man „Tapioka“, die Maniokstärke, für deren Herstellung es bestimmt unzählige verschiedene Methoden gibt. Mir wurde in Brasilien folgende Art erklärt:

Um Tapioka zu erhalten, muss man Maniok fein reiben und einweichen. Die daraus entstehende „masa“ wird ausgedrückt und die Flüssigkeit aufgefangen. Anschließend muss man das Wasser verdampfen lassen. Die zurückbleibende Stärke ist dann Tapioka und sieht dem bei uns verwendeten Maizena sehr ähnlich.

Tapioka wird sehr unterschiedlich verwendet: zum Backen, als Bindemittel, als bubble im bubble tea, für Pudding…

Geschmacklich lässt sich Tapioka nur schwer beschreiben: es schmeckt vor allem nach den beigefügten Zutaten und ein bisschen wie gutes Puder riecht.

… wenn Ihr ein neues Rezept habt, immer her damit! Wir freuen uns über jeden Beitrag!

Frühstück auf brasilianische Art – Beiju

Während Pancakes, Full English Breakfast oder Weißwurstfrühstück als kulinarische Besonderheiten bei uns durchaus bekannt und geschätzt werden, ist eine brasilianische Frühstücksspezialität kaum bekannt: Beiju. Und das, obwohl die Herstellung einfacher nicht sein könnte und das Ergebnis nicht nur sättigend, sondern auch sehr schmackhaft ist!

Beiju (sprich: Bejschu) erinnert optisch stark an Palatschinken, ist aber geschmacklich doch ganz etwas anderes. Man kann es fantastisch vorbereiten und die Grundmasse auch länger aufbewahren. Mein Rekord war 2 Wochen, bis alles aufgegessen war. Vermutlich würde es noch länger halten…

Da auch dieses Rezept mit Tapioka gemacht wird, ist es 100% glutenfrei und außerdem laktosefrei und vegan.

P1050651Die Grundmasse besteht aus:

  • 50 dag (=500g) Tapiokastärke (aus dem Asialaden oder aus gut sortierten Supermärkten); ein Beiju braucht etwa 4 dag (=40g) Stärke.
  • 1/2 l Wasser

Ich kenne mittlerweile zwei Wege, Beiju zu machen, beide sind einfach:

P1050654Die erste Version: Man mischt Tapioka mit dem Wasser. Daraus entsteht eine optisch flüssige Masse, die aber in Wirklichkeit steinhart ist. Man nennt das auch nichtnewtonsches Fluid.

Nun lässt man die Masse 2-4 Stunden stehen, bis sich Stärke und Wasser wieder getrennt haben.
Anschließend gießt man das Wasser ab und legt ein trockenes Tuch über die Masse, damit das restliche Wasser abgezogen wird. P1050671 Die daraus entstehende Masse wird aufgelockert. Es sieht dann einem großen Haufen Kokosflocken ähnlich. Diese kann man im Kühlschrank gut aufbewahren.

Die zweite Version geht etwas schneller: man mischt immer ein wenig Wasser unter die Stärke und bricht diese sofort mit der Gabel oder einem Löffel wieder auf; so lange, bis keine trockene Stärke mehr über ist. P1050681


Das Endresultat ist identisch, es ist eher eine Frage des Hungers…

Will man aber Beiju machen, muss man nun eine Pfanne ohne Öl erhitzen und streut so viele Tapiokaflocken hinein, bis der Boden gut bedeckt ist und verteilt sie gleichmäßig in der Pfanne.
P1050659 Anschließend streut man eine Prise Salz darüber und wartet etwa 3 Minuten.
Nach einer Weile sind die Flocken verschmolzen und man kann den Beiju wie eine Palatschinke wenden.
Wenn beide Seiten gebraten sind, aus der Pfanne nehmen und eine Hälfte füllen. Dafür eignen sich:

P1050662 Rühreier, frisches Obst, Marmeladen, geschmolzene Schokolade und sicher noch ganz viel anderes, was ich noch nicht ausprobiert habe.

Dann die leere Seite drüber klappen und möglichst schnell essen, da Beiju heiß am Besten schmecken!

Normalerweise schafft ein normaler Esser zum Frühstück 3-4 Beijus. Übrigens hat dieses Frühstück den “mäkeligen Kleinkindertest” bestanden, ist also auf jeden Fall für empfindliche Kindermägen geeignet.

Und damit einen guten Morgen! P1050667

Pão de Queijo – Brasilianische Käsebällchen

Als ich 2006 meine Mutter bei ihrem Sabbatical in Brasilien besuchen durfte, lernte ich ein wunderbares Essen kennen. Als langjährige Zöliakiebetroffene, das heißt, ich darf kein Gluten essen, sind Reisen in fremde Länder immer eine Herausforderung: Was wird man essen dürfen? Wird man Neues entdecken? Wie kompliziert wird eine glutenfreie Ernährung?

Angekommen war die Antwort schnell gefunden: Es wird sehr einfach. Überall, bei jedem Bäcker, an jeder Straßenecke gibt es glutenfreie Leckereien – vor allem, da Tapioka und Reis die Grundzutat vieler Speisen ist. Tapioka ist die Stärke der Maniokwurzel und garantiert glutenfrei.

Besonders lecker und für zwischendurch mehr als geeignet sind die Pão de Queijo “Käsebrötchen”. Egal wo ich diese leckeren Brötchen mitnehme, zum Grillen, auf Ausflüge oder zu Freunden, der Duft und der Geschmack dieser kleinen Leckereien führt immer zu einer “heißen Schlacht am kalten Buffet”. Der Insidertipp ist also: bevor man ankommt, schon eines essen. Wer weiß, wie viel man sonst noch ergattert…

Nun zum Rezept, das etwa für 4 Personen als Beilage reicht.


30 dag (=300 g) Tapiocastärke (erhält man in jedem Asialaden und in gut sortierten Supermärkten)
30 dag (=300 g) geriebene Käse (Gouda, Emmentaler oder geschmackigeren Bergkäse. Ich verwende dazu gerne Reste)
3 Eier
100 ml Milch
50 ml Olivenöl
1/2 Päckchen Backpulver
Salz und Pfeffer
P1050343 Kopie



Teig
Pao roh2Alle Zutaten werden in einer Schüssel gut verrührt. Es entsteht ein flüssiger Brei. Keine Sorge: Das ändert sich. Anschließend mindestens eine Stunde kühlen, am Besten im Kühlschrank. Ich setze den Teig auch schon mal am Vortag an, dann gibt es zum Frühstück frisches Gebäck…
Den Backofen auf 250° C vorheizen. Aus der mittlerweile gestockten Masse kleine runde Bälle formen. Da die Brötchen gut aufgehen, kann man die Bällchen zwischen der doppelten Größe einer Walnuss und der einfachen Größe eines Tennisballs machen. Anschließend in den Ofen schieben etwa 15 Minuten backen.


WICHTIG: Die Brötchen schmecken warm am Besten. Kalt werden sie schnell trocken. Also am besten so backen, dass man sie anschließend zügig vernichtet.

Pao fertig